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Kapitel 11: Horror!
Ich wurde wach, weil das Licht anging. „Aufstehen! In einer halben Stunde gibt es Frühstück und dann hast du um 7 Uhr deine erste Therapiestunde!“, wurde mir zugerufen und die Tür knallte laut zu. Müde richtete ich mich auf. Was war denn das für’n Kack?! Um 7 die erste Therapiestunde?! Und um 6 Frühstück? Die warn doch irre!
Langsam stand ich auf und ging langsam ins Bad. Dort benötigte ich 25 Minuten, um mich fertig zu machen. Danach verließ ich mein Zimmer, oder besser meine Zelle, und auf dem Flur sah ich mich ratlos um. Toll, wo musste ich jetzt denn hin? Hm, rechts oder links? Hm, hm, hm… Rechts.
Also lief ich nach rechts und fand mich an einer weiteren Gangkreuzung wieder.
Ich wuselte ungefähr eine halbe Stunde durch die Gänge, aber den Essraum fand ich nicht. Plötzlich wurde ich an der Schulter gepackt. „Du warst nicht beim Essen! Und was treibst du dich stattdessen hier in den Gängen herum?!“, kreischte ein großer Mann. „Ich hab mich verlaufen…“, meinte ich kleinlaut. „Ja, ja. Sicher! Du kannst viel erzählen, wenn der Tag lang ist, und jetzt mitkommen! Deine Strafe wartet auf dich!“
Ich wurde gepackt und mitgeschleift. In einem komplett dunklen Raum wurde ich fest gekettet und alleine gelassen. Wobei, so alleine war ich gar nicht…
„Das wirst du nicht überleben…“, flüsterte eine Stimme. „Warum?“, fragte ich leise. „Die werden dich foltern und so, bis du das sagst, was sie wollen. Die meisten sterben nachher…“, kam es wieder rübergeflüstert. Mich erschauderte, als die Tür aufging und das kleine Mädchen rausgeschleift wurde. Kurz darauf wurde ich in einen Raum gebracht und auf einem Tisch fixiert.
Ich bekam Angst, tierische Angst! Das konnten die doch nicht tun! „Tom…“, wimmerte ich leise. Doch wie sollte er mich hören? Er konnte mich nicht hören!

Ich lag auf meinem Bett. Schmerz durchzog meinen gesamten Körper. Eine Schwester betrat den Raum und versorgte meine Verletzungen. „Ich kann nichts tun, dass es aufhört… Ich würde ja, aber ich kann nicht… Tut mir Leid…“, sagte sie, während sie eine Wunde an meinem Arm bearbeitete. „K…Können sie mir Papier und Stift besorgen? Und dann nachher einen Brief zur Post bringen?“, fragte ich leise und schwach. „Eigentlich ist es verboten, aber ich kann es versuchen.“, sagte sie und lief los. Ich war so unsäglich müde, dass ich einschlief.

Sanft wurde ich wach gerüttelt. „Du musst schreiben, während ich dich verarzte, sonst kann ich den Brief nicht zustellen…“, sagte sie leise und ich begann zu schreiben.

„Tom…
Es tut mir alles so Leid! Ich bereue, dass ich mitgegangen bin und nicht bei dir geblieben… Tom, bitte… Hilf mir! Ich habe heute Morgen den Weg zum Frühstück nicht gefunden und deswegen wurde ich in einen Raum gebracht und misshandelt!
Sie haben mich geschlagen, getreten, meine Haut zerkratzt, mir an den Haaren gezogen, mit Messern Wunden zugefügt und mit glühenden Stäben sind sie über meine Haut gefahren…
Alles schmerzt und ich bin verzweifelt! Bitte, hilf mir!

Tom, ich liebe dich. Trotz allem und ich werde es immer tun! Ich flehe dich an, tu mir das nicht an. Lass mich nicht länger hier leiden und hilf mir!
Ich weiß jetzt, dass es falsch war, hierher zu kommen, dich zu verlassen. Ich will wieder leben, Tom! Bitte…

Bill“

Ich übergab der Schwester den zusammengefalteten Brief und sie verschwand schnell. Ich besah mir schweigend meine Wunden. Wenn ich meinen gesamten Körper sehen könnte, würde ich sicher erschrecken. So, wie alles wehtat, mussten sie mir überall Wunden zugefügt haben. Überall! Wieso taten sie das mit ihren Patienten? Das war doch Körperverletzung! Das durften sie gar nicht!

Ich zog meine Decke über meinen geschundenen Körper und begann, zu weinen. Oh Tom, wenn du hier wärst… wenn ich doch bei dir wäre… Hilf mir, bitte! Ich werde hier sonst noch sterben…!


Am nächsten Morgen kam die Schwester wieder und behandelte meine Wunden. Sie hatte den Brief persönlich abgegeben und war noch geblieben. Bevor sie gegangen war, hatte Tom ihr noch einen Brief gegeben. Und der lag jetzt auf meinen Beinen.
Was er wohl geschrieben hat? Vielleicht will er mir ja helfen…
Ob er sauer ist? Ich weiß es nicht…
Ob er mich hasst? Ich bete, nicht. Das wäre das Schlimmste!...
Ob er mich noch liebt? Fraglich... aber Gefühle verschwinden nicht so einfach mir nichts, dir nichts!
Sollte ich nicht einfach den Brief lesen, als hier weiter rum zu spekulieren? Wäre wohl besser, aber ich tat’s einfach nicht. Warum?
Aus Angst? Schon möglich.
Wegen einer bösen Vorahnung? Nein, das wüsste ich doch… oder?

Ich wurde angestupst. „Hey, les ihn doch endlich. Papier und Stift sind ja noch hier. Wenn du wieder schreiben willst, kannst du das ja im Laufe des Tages tun. Heute Abend schau ich noch mal nach dir. Du hast die nächste Woche auch keine Therapie, weil die Psychologin nichts herausfinden soll, über diese Bestrafungen.“, verkündete die Schwester. Ich nickte abwesend und sie verließ den Raum. Mein Blick heftete sich auf das zusammengefaltete Stück Papier auf meinen Beinen. Langsam griff ich danach und entfaltete es.

Kapitel 12: Vergewaltigt und misshandelt
Das kleine Stück Papier kämpfte erfolglos gegen die Flammen und war zuletzt nur noch ein Häufchen Asche. Amüsiert sah ich dabei zu und stand dann vom Sofa auf. Was Bill wohl über meine Antwort gedacht hat? Nette Worte waren das schließlich nicht. Doch er hatte kein Mitleid verdient! Wer war denn mit da hin gegangen, auch, wenn er sich hätte um entscheiden können?! Das war doch er selber gewesen und jetzt musste er die Suppe auch selber auslöffeln. Das klingt jetzt herzlos, aber es ist nun mal so. Ich kann doch auch nichts dafür, dass ich ihn hasse! Schließlich hat er die Dinge getan, die dazu führten, und nicht ich.

Auf dem Balkon ließ ich mich in einen Stuhl fallen und stütze meinen Kopf auf meinen Händen ab. Verflucht! Er war und ist immer noch mein Bruder! Ich kann ihn doch nicht hassen! Das geht doch einfach nicht…! Man Bill, du machst es einem echt nicht leicht und ich hab ja früher nicht oft nachgedacht, aber seit das mit deinem Geständnis war steht ja alles Kopf und ich muss einfach total viel nachdenken. Es sind so viele schwere Entscheidungen zu treffen und da muss man sehr überlegt handeln. Warum ist das Leben denn so kompliziert, verdammt?!

Langsam rieselten weiße Flocken vom Himmel. Ich schaute nach oben und sah ihnen dabei zu. Schnee- früh dieses Jahr. Es war ja erst der 28.10., seltsam und doch schön. Winter ist eine faszinierende Jahreszeit. Dann ist alles mit weißem Schnee bedeckt, die Seen frieren zu und es gibt Bratäpfel und Glühwein, damit man die Kälte, die der Schnee leider mitbringt, aus den Gliedern vertreibt und sich aufwärmt.

Ich wurde durch das Klingeln der Türglocke aus meinen Gedanken gerissen. Leicht fluchend lief ich zur Tür und öffnete sie. Die Schwester, die mir Bills Brief gebracht hatte, stand vor mir. Sie sah nicht glücklich aus. „Guten Abend. Ich wurde beauftragt, ihnen etwas auszurichten.“, sagte sie zu mir. Ich sah sie verwirrt an. Sie holte ein Tonband aus ihrer Tasche und gab es mir. „Was ist da drauf?“, fragte ich. „Das… Hören sie es sich lieber erstmal an.“, sagte sie und setzte sich in einen Sessel im Wohnzimmer. Ich legte das Tonband ins Gerät und drückte auf „Play“.

( […]=Geräusche
 *…*= etwas passiert)

[Rascheln und Knacken]
*eine Tür geht knarrend auf*
Stimme: Wir haben herausgefunden, dass du deinem Bruder einen Brief geschrieben hast. Ohne unsere Erlaubnis!
Bill: *keuch* Ja, aber…
Stimme: Halt den Mund! Du redest nur, wenn wir dich dazu auffordern!
2. Stimme: Dieses Handeln muss bestraft werden!
Bill: Nein, bitte nicht! *wein*
Stimme: Junge…. *Bill keucht auf* … Du redest nur, wenn wir es dir erlauben! Verstanden?!
Bill: *keuch* Lassen sie mich los! *heftig keuch* Sie… *röchel*
2. Stimme: Hey, Janosch! Drück nicht zu fest zu! Du erwürgst ihn sonst noch!
Janosch: Hmpf!
[dumpfes Geräusch von jemandem, der auf den Boden fällt]
Bill: *keuch* *hust* Sie sind so was von…
Janosch: Hast du was gesagt?!
Bill: N…nein…
2. Stimme: Ich hol dann mal alles, was wir brauchen.
*schritte entfernen sich*
Janosch: Weißt du was?
Bill: *hust* W…was?
Janosch: Er braucht einige Zeit zum Holen…
[Schritte]
Bill: Bitte… bitte nicht… ich… *kreisch*
Janosch: Was denn?! Ich habe dich doch nur an den Haaren aufs Bett gezogen.
Bill: *wein* Bitte, tu das nicht!
Janosch: Mach ich aber…
[das Geräusch, wenn man Kleidung zerreißt]
Bill: *wein*
Janosch: Hör auf zu zittern! *gibt Bill eine Ohrfeige, dass es im ganzen Raum widerhallt*
Bill: B…Bitte nicht… I… Ich hab Angst…
Janosch: Sollst du auch! Damit du so was nicht mehr tust!
Bill: …AH! *schrei*

Kapitel 13: Tot?
Erschrocken drückte ich auf die „Stop“-Taste. Ich sah zu der Schwester. „Ich stand hinter der offenen Tür. Ich sollte das aufnehmen und nicht dazwischen gehen… Dann sollte ich es hierher bringen.“, sagte sie und senkte den Kopf. „Was ist danach passiert?“, fragte ich, obwohl ich es mir schon denken konnte. „Als Bill geschrieen hat, hat Janosch ihn vergewaltigt… Und als Benjamin dann wieder da war, haben sie ihn an eine Wand gekettet und Janosch hat ihn mit einer Dornenpeitsche ausgepeitscht. Er hat so sehr geschrieen… Ich wäre am liebsten dazwischen gegangen, aber er hat gesagt, ich soll nicht…“, erzählte sie und begann, zu weinen. „W…was ist jetzt mit ihm?“, fragte ich. „Janosch hat erst aufgehört, als er überall am bluten war… Dann sind Janosch und Benjamin verschwunden. Ich bin zu Bill hin und habe ihn sofort untersucht. Ich bin schließlich seine Pflegerin… Er hat leicht die Augen geöffnet und gesagt: „Ich will sterben. Bitte, lass mich sterben.“… Aber ich wollte das nicht!“, sagte sie und schluchzte. Sie ging zu dem Gerät mit dem Tonband und spulte vor. Dann drückte sie auf „Play“.

Bill: Ich will sterben. Bitte, lass mich sterben!
Schwester: Nein, Bill. Du darfst nicht aufgeben! Denk doch an deinen Bruder!
Bill: Tom hasst mich aus tiefstem Herzen… Er wäre glücklich, wenn ich tot wäre.
Schwester: Bestimmt nicht. Bill… Bitte, sag so was nicht.
Bill: Lass mich bitte sterben! Bitte! Ich kann nicht mehr! *wein*
Schwester: Wir könnten deinen Tod vortäuschen… Dann kämst du hier wieder raus.
Bill: Das klappt doch niemals!
Schwester: Doch… Hier, schluck das.
Bill: Hast du das schon mit vielen gemacht?
Schwester: Ja…
Bill: Okay… Und wie wach ich wieder auf?
Schwester: Das werd ich schon machen, keine Sorge.
Bill: Okay…
[dumpfes Geräusch von jemandem, der auf den Boden fällt]
[Rascheln und Klicken]

„Wo ist er?!“, fragte ich. „Sie haben ihn in einen Sarg gesteckt und werden ihn… in einer Stunde auf dem Friedhof beisetzen.“, sagte sie. „Was?! Und was müssen wir jetzt machen?“, fragte ich nervös. „Wir können ihn aus dem Sarg holen… Aber dann müssen wir uns beeilen. Janosch hat bis zur Beisetzung Pause… und Benjamin… Na los, komm.“, sagte sie und zog mich hinter sich her zu ihrem Auto.

„Du hast ihm das Medikament gegeben, nicht?“, fragte Benjamin. Die Schwester nickte. „Manuela, du kannst hier nicht jeden immer retten und rausholen.“, seufzte Benjamin. „Aber Janosch hat den Jungen missbraucht!“, meinte Manuela. „Was hat er?“, fragte Benjamin ungläubig. „Ihn vergewaltigt… und missbraucht und…“ Manuela brach wieder in Tränen aus. „Ok, ok. Der Junge darf gehen… Ich mach den Sarg auf…“, sagte Benjamin und lief zu einem weißen Sarg. Er öffnete ihn und winkte uns heran. „Manuela, beeil dich. Du hast nur noch 30 Minuten.“, sagte Benjamin und stupste sie an.
Bill lag in dem weißen Sarg. Der Sarg war mit weißem Samt ausgepolstert und Bill lag da von dutzenden roten Rosen umrahmt. „Wer hat den Sarg gestaltet?“, fragte ich leise. „Manuela…“, flüsterte Benjamin. Diese war gerade damit beschäftigt, Bill Wasser ins Gesicht zu spritzen. Sie sah leicht verzweifelt aus. „Was ist?“, fragte Benjamin. „Er wacht nicht auf!“, sagte sie verzweifelt und rüttelte an ihm. „Was?! Manuela, hast du ihm das richtige gegeben?“, fragte Benjamin. „Ja… Warte… Die Dose steht hier irgendwo…“ Benjamin und Manuela gingen zu einem Schrank und durchwühlten ihn. Ich sah zu Bill. „Bitte… Bitte wach auf.“, flüsterte ich und mir liefen Tränen über die Wangen.

Kapitel 14: Who am I?
Langsam öffnete ich meine Augen. Mein Körper schmerzte immer noch. Als ich mich umsah, erblickte ich dich über mir. Du weintest. Warum? Wegen mir?
„Tom?“, fragte ich leise. Du sahst mich erschrocken an. Dann begannst du zu lächeln. Du hobst mich aus dem Sarg und drücktest mich an dich. Aua… Ich keuchte kurz unterdrückt auf. Sofort ließt du lockerer. „Bill! Oh, ich bin so froh, dass du nicht gestorben bist!“, riefst du aus. Manuela und Benjamin sahen zu uns. „Oh Gott sei dank! Ich dachte schon, dass ich einen Fehler gemacht habe!“, meinte Manuela erleichtert. „Aber jetzt solltet ihr gehen.“, sagte Benjamin. Manuela nickte und schleuste uns raus zu ihrem Auto. „So… Wo soll ich euch hinbringen?“, fragte sie. „Zu einem Arzt!“, meinte Tom und setzte mich auf die Rückbank des Autos.

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„Bill! Come over here!“, rief Anna. „Yes, I’m coming!“, rief ich zurück. Ich lief ins Wohnzimmer und sah, wie Anna Maike an den Händen hielt und ihr half, zu laufen. Maike war 2 Jahre alt und die Tochter von Anna und Mark. Bei ihnen wohnte ich, seit ich vor einem Jahr einen Unfall hatte und mein Gedächtnis verloren hatte. Vor dem Unfall hatte ich in Deutschland gelebt. Jetzt lebte ich in England.
„Look! She’s able to walk!“, freute Anna sich. Ich nickte grinsend. „Hey Bill. Why aren’t you with Amy?”, fragte Anna. „Well, she has to learn for her exams.”, sagte ich. „All right. But you meet this afternoon?“, fragte sie. „Yes, of course. We meet at 17 o’clock.”, sagte ich und verließ das Wohnzimmer. Ich ging in mein Zimmer und nahm ein Buch aus meinem Schrank.

Als ich es zurückstellen wollte, bemerkte ich ein Türchen hinter dem Schrank in der Wand. Ich öffnete es neugierig und lugte in das kleine Fach. Darin befand sich ein kleines Buch, welches mit einem roten Leder eingeschlagen war. Ich nahm es heraus und besah es mir. „Tagebuch“ stand vorne in großen Lettern drauf. Ich öffnete es und erblickte meinen Namen. Das war meins? Warum kannte ich das nicht und warum war es hier? Seltsam.

Ich blätterte eine Seite weiter und erblickte mehrere Einträge.
Nach ungefähr einer Stunde war ich an der letzten Seite angelangt. Das Datum war kurz vor meinem Unfall.

Liebes Tagebuch,
Tom und ich waren heute bei unseren Eltern. Sie waren überrascht, aber auch froh, uns mal wieder zu sehen. Als wir wieder zu Hause waren, haben wir noch Suppe gegessen und sind dann ins Schlafzimmer gegangen. Morgen hab ich ein Vorstellungsgespräch an einer Kunstschule. Ich bin total aufgeregt! Wenn ich bestehe, dann darf ich dort unterrichten und so… Hoffentlich klappt es auch!
Tom meint, dass ich das hundertprozentig schaffen werde und er drückt mir die Daumen. Im Moment nervt er mich etwas. Er will mit mir schlafen, aber ich schreibe ins „doofe Tagebuch“. Ich weiß nicht, ob ich ihn zappeln lassen soll oder nicht…

Jetzt piekst er mich schon in die Seite. Ich muss mich rächen… Also bis später oder morgen
Dein Bill

Der Vorletzte Eintrag war das… Tom? Wer ist das?

Kapitel 15: dein Echo
Liebes Tagebuch,
Das Vorstellungsgespräch war toll! Ich denke, dass sie mich einstellen werden. Von meinen Werken waren sie total begeistert. Aber ich habe mich heute heftig mit Tom gestritten. Er ist jetzt für ungewisse Zeit bei seinem Freund Marius in Hamm. Ich bin so durcheinander. Er unterstellte mir, ich hätte eine Affäre! Aber das habe ich gar nicht! Er war rasend, als ich sagte, es stimme nicht, und bezeichnete mich als einen Lügner. Ich bin so am Ende… Ich weiß, er kommt nicht so bald zurück, wenn überhaupt. Ich habe nichts getan und deswegen bin ich total verwirrt und am Boden zerstört. Ich liebe ihn doch so sehr und ich würde ihn doch niemals betrügen! Wir haben zuviel durchgemacht, als dass ich das wagen würde, noch mehr Probleme zu erstellen. Außerdem liebe ich ihn so sehr, dass ich ihn gar nicht betrügen könnte! Die ganzen Ereignisse der Vergangenheit haben uns einfach zu fest aneinander geschweißt, aber Tom hat nun den Schweißer an sich genommen und uns voneinander losgemacht. Ich könnte schreien, ich könnte weinen, ich könnte von der nächsten Brücke springen! Aber ich kann das nicht tun… Was, wenn er zurück kommt und ich bin nicht mehr da? Was dann? Dann wird er sich so fühlen, wie ich mich jetzt…

ich weiß nicht ob ich schlaf
bin ich gefangen oder wach?
die Einsamkeit macht mich so schwach
ich habe viel geweint
war am Ende und allein
die Kälte friert mich ein
ich versuch stark zu sein
ich starr nächtelang auf die weiße Wand
hab jedes Gefühl aus meinem "ich" verbannt
hab aus Angst angefangen, die Sekunden zu zählen
noch ein paar Stunden und ich geh meinen schlimmsten Weg
und der Schmerz vergeht nicht
es geht nicht
du fehlst mir hier

dein Echo zerschlägt meine Wand
Trümmer der Realität, über die ich geh und ich versteh
es ist zu spät
dein Echo frisst meinen Verstand
es verhallt tief in mir, es wird kalt und ich spür, wie ich mich verlier

der fensterlose Raum
ist kalt und voll mit Staub
kann meinen Augen kaum noch trauen
die Vergangenheit zerreist mich
ich hoff so sehr: ich schlaf
weck mich nicht auf
weil ich das niemals schaff
es ist so schwer, die vielen Bilder zu fühlen
die kalten Wände zu berühren
deine Schmerzen zu spüren
es ist so schwer, durch eine Welt zu gehen
in der Bilder von dir
noch 10 Jahre später
wiederkehren
und der Schmerz vergeht nicht
es geht nicht
du fehlst mir hier

dein Echo zerschlägt meine Wand
Trümmer der Realität, über die ich geh und ich versteh
es ist zu spät
dein Echo frisst meinen Verstand
es verhallt tief in mir, es wird kalt und ich spür, wie ich mich verlier

ich spüre dein Echo und wünsche mir so
dass ich es schaffe und dass ich dich ziehen lasse
ich spüre dein Echo und wittere die Chance
ich lass dich los damit du deine Ruhe bekommst
der Raum ist still und leer
dein Echo verklingt
doch irgendwann
folge ich dir

dein Echo zerschlägt meine Wand
Trümmer der Realität, über die ich geh und ich versteh
es ist zu spät
dein Echo frisst meinen Verstand
es verhallt tief in mir, es wird kalt und ich spür, wie ich mich verlier

bin ich gefangen, oder wach?

Tom soll wiederkommen!!
Dein Bill

Ich bin verwirrt. Langsam gehe ich runter zu Anna.

Kapitel 16: Vorwürfe
Und wieder eine Flasche leer… Ich schmiss sie zu den anderen auf dem Boden. „Unsere“ Wohnung sah jetzt schon seit drei Monaten wie ein Saustall aus, aber ich war nicht in der Lage dazu, das alles aufzuräumen. Ich bin so am Ende und jeden Tag nagt die Schuld mehr an mir. Wenn ich nicht abgehauen wäre, würdest du sicher noch leben! Ich bin so feige! Und so ein verdammter Lügner! Nicht du hattest eine Affäre… Ich war das gewesen. Und an diesem einen Tag war ich so sauer gewesen und du musstest es ausbaden… Als ich von deinem Unfall gehört habe, hab ich mir sofort Vorwürfe gemacht. Zwei Tage später bin ich dann zurück, aber ich fand dich nirgends. Das Krankenhaus sagte, du wärst gestorben. Einfach so gegangen. Ich war verzweifelt. Angelina war nur eine kurze Affäre gewesen und ich habe sie an dem Tag verlassen, als ich dich allein ließ. Ich war Schuld, dass du gestorben bist. Ich hätte den Unfall vermeiden können. Ich hätte bei dir sein können… Dann würdest du jetzt noch leben…
Wankend stand ich auf und taumelte in unser Schlafzimmer. Ich hatte alles so gelassen, wie es war, als du noch lebtest. Ich schmiss mich aufs Bett und umklammerte dein Kissen. Obwohl du schon ungefähr ein Jahr fort bist, riecht es noch leicht nach dir. Und wieder treten mir Tränen in die Augen und laufen meine Wangen hinab.

„Tom?!“, höre ich jemanden nach mir rufen. Ich gebe keinen Ton von mir. Nach einiger Zeit geht die Tür auf und Jens steht dort. Er seufzt. „Bist du wieder so betrunken?“, fragte er. Ich grabe mein Gesicht tiefer in Bills Kissen. Wieder seufzt Jens und dann kommt er zu mir. „Tom, ich wollte nur sagen, dass ich eine Woche nach England bin. Möchtest du vielleicht mitkommen und mal wieder hier raus? Du verlässt so selten diese Wohnung. Bitte, komm doch mit mir mit und lenk dich von Bill ab.“ Ich sah zu ihm hoch. „Ab.. aber…“ „Tom, Bill hätte sicher nicht gewollt, dass du dich so hängen lässt. Und jetzt komm mit, ja?“, meinte Jens. Ich nickte langsam und stand auf. Wahllos warf ich irgendwelche Sachen in einen Koffer und Jens trug ihn zu seinem Auto. Ich wollte mich auf den Beifahrersitz setzen, aber Jens drückte mich auf die Rückbank. „Du schläfst jetzt erstmal etwas.“, sagte er und setzte sich auf den Fahrersitz. Dann fuhr er los.

Jemand rüttelte an meiner Schulter und ich schlug die Augen auf. „Komm, der Flieger geht gleich.“, meinte Jens und verschwand zum Kofferraum. Ich richtete mich langsam auf und streckte mich kurz. Wir waren auf dem Parkplatz vor dem Flughafen. Jens schlug den Kofferraum zu und zog die Koffer hinter sich her. „Komm jetzt!“, rief er und ich stieg aus. Als ich die Tür zumachte, schloss Jens den Wagen ab. Dann liefen wir zum Flughafen und wenige Minuten später saßen wir im Flugzeug nach London. Bill wäre bestimmt gerne mitgekommen… Ich seufzte und Jens sah mich mitleidig an. Er verstand mich. Sein Bruder und seine Freundin waren bei einem Autounfall ums Leben gekommen und er war der Fahrer gewesen… Das nagte auch an ihm, aber er hatte es bis jetzt schon gut verarbeitet. Jedenfalls merkte man nichts davon.

Nach einem langen Flug landete das Flugzeug auf dem Londoner Flughafen. Jens bestellte ein Taxi, welches uns dann zu einem Hotel brachte. Dort checkte Jens für uns ein und wir brachten die Koffer ins Zimmer. Dann ging Jens ein wenig durch die Stadt. Ich blieb im Hotel und legte mich schlafen. Ich war müde und ich wollte nicht durch die Stadt laufen. Ich wurde erst wieder wach, als jemand an die Tür klopfte.

Kapitel 17: Room service, can I come in?
“Bill, you’ve to go! Work starts in 10 Minutes!”, rief Anna. Ich zog mir noch schnell die Schuhe an und flitzte los. Kurz darauf erreichte ich das Hotel, wo ich arbeitete. Grade noch pünktlich! „Ah… Just in time.“, meinte der Manager des Hotels und schob mich in die Umkleide. „Quick! You’ve lots to do today!“, mahnte er und verschwand. Ich zog mich schnell um und lief dann zum Plan. Toll, ganze 4 Etagen musste ich sauber halten an diesem Tag. Danke, Herr Frier. Fangen wir mal mit der 1. Etage an…
Ich lief zum Fahrstuhl und schob noch kurz den Putzwagen vor mir hinein. Dann drückte ich den Knopf für die 2. Etage. Da musste ich anfangen. Als die Türen mit einem Summen aufgingen, kam mir ein junger Mann entgegen. Er sah mich im Vorbeigehen leicht schmunzelnd an. Ich lief einfach weiter und klopfte an die erste Tür. „Room service, can I come in?“, meldete ich mich. Kein Mucks war zu hören. An der Klinke hing das „Don’t disturb“-Schild und ich lief erstmal zur nächsten Tür. Gleiche Prozedur, wie bei der Ersten. Knurrend kam ein „NO!“ zurück. Also machte ich mich auf zur nächsten Tür. Ich seufzte kurz. Wehe, da kann ich nicht rein. Ich klopfte. „Room service, can I come in?“, fragte ich höflich. Kurz ein Brummeln, dann ein Rascheln. „Yes, come in.“, kam dann verschlafen. Ich drückte die Türklinke runter und schob den Putzwagen rein. Unter der Bettdecke lag jemand. Er hatte sie bis über den Kopf gezogen und schien weiterschlafen zu wollen. „Ehm, I also have to make the bed.“, stammelte ich, während ich einige Papierschnipsel vom Boden aufsammelte. Vom Bett her kam ein Grummeln und wieder raschelte es. „Ok, ok… Then I will sleep on the sofa a little while.“ Na, wenn er unbedingt schlafen wollte… Ich machte weiterhin sauber und machte dann nach dem Zimmer das Bad. Ich war gerade dabei, die Badewanne einzuschäumen, als ich Stimmen vernahm.

Stimme: Tom! Sag mal, schläfst du schon wieder?!
Tom: Nein… Ich HABE schon wieder geschlafen… Bis du kamst…
Stimme: Mensch Tom, hast du den Zimmer Service gesehen?
Tom: Der ist gerade im Bad.
Stimme: Hast du ihn dir mal angeschaut?
Tom: Nur von hinten.
Stimme: Woah, Tom!
Tom: Was denn?!
Stimme: Tom, der sieht Bill voll ähnlich!
Tom: Ich dachte, ich soll ihn endlich vergessen! Jetzt fängst du damit wieder an! Wie soll denn das gleichzeitig gehen?!
Stimme: Aber Tom, er sieht ihm wie aus dem Gesicht geschnitten! Als wären es Zwillinge!
Tom: Aber ich bin sein einziger Zwilling und wir sind keine Drillinge!
Stimme: Eben.
Tom: Willst du mir damit sagen, dass das wahrscheinlich mein, seit einem Jahr VERSTORBENER, Bruder ist?!
Stimme: Mensch, vielleicht lebt er ja doch noch!! Am besten, du schaust ihn dir selber an!
Tom: Pft, na meinetwegen.

Tom?? Und Bill?? Ich verstehe nicht. Ich werde aus meinen Gedanken gerissen, als mich jemand am Arm packt und aus dem Bad zieht. „So, schau ihn dir genau an!“ Der junge Mann von vorm Fahrstuhl schiebt mich nach vorne. „Mensch Jens, jetzt, wo du’s sagst… Der sieht Bill echt ähnlich!“, meinte der andere junge Mann. „Sag ich doch.“, meinte Jens. Tom lief um mich rum und besah mich von allen Seiten. Bin ich etwa ein Museums Ausstellungsstück?! „Hey, what are you doing?!“, fragte ich erschrocken, als Tom mir das Shirt hoch schob. Er sah leicht erschrocken aus und fuhr dann langsam mit einem Finger sacht über die große Narbe an meinem Bauch. „Where did you get this from?“, fragte er leise. „I had an accident!“, sagte ich und wollte seine Hand weg schlagen, aber er zog sie schon zurück. „You’re very thin…“, bemerkte er. „Yes, have a problem with that?!“, meckerte ich. „My brother, Bill, he was that thin, too… And a year ago he disappeared.“, erklärte Tom leise. „Oh, I’m sorry.“, meinte ich. „It’s ok… Well, what is your name?” “My name is Bill.”, sagte ich. Toms Augen wurden riesig. “BILL?!”, wiederholte er. Ich nickte kurz. „Ah, and what’s your birthday?“ „The first of september 1989.“, meinte ich nachdenklich. “That can’t be just accident that your name is Bill and your birthday is the first of September 1989!!”, meinte Tom. “Why?”, fragte ich. “Because my brother’s name is also Bill and we are born on the first of September 1989 and you look just like him!”, erklärte Tom. “Maybe it’s by chance.”, meinte ich. Er schüttelte mit dem Kopf. „That can’t be!!“ Er rannte im Zimmer auf und ab und legte seine Hände auf seine Ohren. Was tat er denn jetzt? Er kam auf mich zu und ich lief rückwärts zur Wand. Ich prallte gegen die Wand und Tom kam immer noch näher. „Am I allowed to try something?“, fragte er, als er kurz vor mir stand. „Well,… o…ok…“, stammelte ich. Er kam noch näher und legte seine Lippen auf meine. Leicht erschrocken riss ich die Augen auf. Tom begann damit, seine Lippen gegen meine zu bewegen. In meinem Bauch herrschte Chaos. Was ist mit mir los??

Kapitel 18: Gedächtnis
Oh, hammer! Der Kuss verursachte irres Bachkribbeln. Ich bin mir hundert pro sicher, dass das Bill sein muss. Sonst hätte ich doch jetzt kein Bauchkribbeln, oder? Er schob mich langsam von sich weg und ich sah, dass eine leichte Röte seine Wangen umspielte. „Well, I… I have to go back to work.“, sagte er stammelnd und eilte ins Bad. „Und?”, fragte Jens. Ich nickte langsam. „Ich glaub’, er ist es.”, sagte ich. Jens lächelte. „Siehst du? Hab ich doch gesagt!“, meinte er grinsend. „Ja, aber er scheint sich nicht an mich erinnern zu können.“, murmelte ich. „Kriegst du schon noch hin, dass er das kann.“, zwinkerte Jens. „Ich helf’ dir auch dabei.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Wenn du meinst… Aber wie soll ich das jetzt anstellen?“, fragte ich. „Frag ihn, ob er mit dir was unternehmen will.“, schlug Jens vor. „Aber er muss doch arbeiten.“, meinte ich. „Ja, aber… Ach egal, denk dir doch was anderes aus! Ich geh Mittag essen.“, sagte Jens und verschwand. Hm… Ich lief ins Bad und sah, dass Bill gerade dabei war, die Wanne zu säubern. „Entschuldigung…“, meinte ich. Er drehte sich erschrocken um. „Also… ehm…“, stammelte ich. „Hurry, I don’t have much time.“, sagte er angenervt. „Ehm… Can you speak german?“, fragte ich. „Just a few words.”, sagte er und machte weiter die Badewanne sauber. „O… ok… ehm… well, would you like to meet this afternoon?“, fragte ich. „Sorry, I don’t understand.”, sagte er und drehte sich zu mir um. „Ehm… Treffen?“, meinte ich. Er verstand nicht. „What’s that?“, fragte er. Ich fuhr mir einmal mit der Hand übers Gesicht. „Can we meet this afternoon?“, fragte ich. „Oh, now I understand.“, murmelte er. „Well, my girlfriend and I want to meet this afternoon and I don’t know you… I think my answer should be no but somehow I don’t want to say that.“ Jetzt war ich aber verwirrt. Aber, hatte er „girlfriend“ gesagt…? Er… hat eine Freundin? „Well,… I think today is not good. Maybe tomorrow here while I tidy up…?”, fragte er. „O… ok.“, sagte ich und er lächelte leicht. „Bye…“, hauchte er und verschwand. AH!! Man! Was für ein Tag! Erst hocke ich deprimiert und besoffen in unserer Wohnung rum, dann nimmt Jens mich mit nach London und dort in einem Hotel treffe ich plötzlich auf Bill, der fast kein Wort Deutsch spricht und sich anscheinend an nichts mehr erinnern kann… falls er es ist… Aber das muss man doch irgendwie feststellen können!! Am besten… ich lasse das testen… Aber wie bekomme ich DNS von ihm? Einfach irgendwie Haare abschneiden würde auffallen… Außerdem lässt er sowieso niemanden an seine Haare und wenn ich’s doch tun würde, würde ich nicht mehr lange leben… Seine Haare waren ihm immer „heilig“. Oh wehe, ich verstrubbelte sie! Dann ging immer Gezeter los. Außer wir befanden uns gerade im Schlafzimmer kurz vorm schlafen… *hust hust*… Ich schweife ab… Auf jeden Fall muss ich jetzt was überlegen, wie ich an seine DNS komme… Vielleicht sollte ich ihm ja was zu trinken anbieten und dann… Ne, keine gute Idee, klappt sowieso nicht. Oder sollte ich ihm doch ein Schlafmittel ins Getränk tun und dann ein paar Haare stibitzen? Könnte klappen, aber wie soll ich ihm beim Aufwachen erklären, warum er eingeschlafen ist? Ach, ich mach es einfach so und dann schau’n wir mal… Mir fällt schon was ein…

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Gedacht, getan. Am nächsten Tag kam er wieder zum putzen und Jens hatte ich weggescheucht. Bill war gerade dabei, die Fenster zu putzen, als ich ihm auf die Schulter tippte. „Hey, would you like to drink something?“, fragte ich. „Well…“, meinte er. „Don’t panik, just water.“, meinte ich. Er nickte dann. „Ok, I’ll get some…“, meinte ich und lief zum Tisch. Darauf stand ein Glas und eine Flasche Wasser. Ich füllte erst Wasser in das Glas und griff dann in meine Hosentasche. Heraus holte ich ein Fläschchen Schlaftropfen. Ich tröpfelte 5 Tropfen ins Wasser. Er sollte schließlich nicht zu lange schlafen. Ich versteckte das Fläschchen wieder in der Hosentasche und brachte ihm das Glas. „Here you go.“ „Thank you.“, meinte er lächelnd und nahm mir das Glas ab. Langsam trank er es aus. „Tastes strange…“, murmelte er. „It’s just normal water.“, meinte ich und setzte mich auf das Sofa. Kurz darauf wimmerte Bill leise. „Aw, I feel so strange… I am so tired suddenly… What happens?“, murmelte er und wankte. Ich lief schnell zu ihm und fing ihn auf, als er einschlief und umkippte. Vorsichtig legte ich ihn aufs Bett. Hm… Jetzt, wo er da so liegt… könnte ich doch… Ah, nein, Tom! Benimm dich, das ist unfair. Schließlich kann er sich nicht wehren oder gar mitmachen oder sonst was. Trotzdem… ich will ihn noch mal küssen! Vielleicht ist das wie bei Dornröschen. Ich küsse ihn wach und dann ist sein Gedächtnis wieder da und wir leben glücklich bis an unser Lebensende. Ehem… Ja… Na klar… Wie gesagt, bei Dornröschen war’s so ähnlich… Im Märchen, also abschminken, Tom. Ach man, ich führe zu viele Selbstgespräche. Aber ich denke… einen Versuch wäre es doch wert oder? Schließlich habe ich, wenn es nicht klappt, wenigstens einen Kuss von ihm. Auch wenn meine Fantasie vollkommen mit mir durchgeht, ich nährte mich langsam seinem Gesicht und begann, ihn zu küssen. Zuerst schien keine Reaktion zu kommen, aber plötzlich legte er seine Hände auf meine Brust und nach einiger Zeit drückte er mich sanft weg. „Tom, was machst du da?“, fragte er leise. „Du… du sprichst deutsch?“, fragte ich erstmal verwundert. „Wieso sollte ich das nicht tun?! Also hör mal, hast du was genommen?“, fragte er und zog eine Augenbraue hoch. Hat das jetzt etwa geklappt?! Oh mein Gott! Das ist doch unmöglich! „Tom? Warum hast du mich geküsst?“, fragte Bill. „Wieso nicht?“, fragte ich. „Du hast mich doch v… verlassen…“, stammelte Bill. Oh, jetzt ist wohl das andere alles aus seinem Kopf verschwunden. Na ja, egal. Wenigstens weiß er wieder, wer er und ich sind. „Vergiss das einfach, ja Süßer?“, murmelte ich und küsste ihn noch einmal. Er schloss genießerisch die Augen und erwiderte den Kuss. „Hey, was geht denn hier ab?“, fragte Jens. Ich löste mich langsam von Bill und sah zu Jens, der in der Tür stand. „Siehst du doch.“, sagte ich lächelnd. „Hast du ihn rumgekriegt?“, fragte Jens. „Ehm, ne.“, meinte ich. „Warum liegt ihr dann knutschend auf dem Bett und deine Hand ist unter seinem Shirt?“, fragte Jens skeptisch. Meine Hand ist unter seinem Shirt? Oh, ja. Hups, hab gar nicht gemerkt, dass die da hin ist. „Er weiß wieder alles.“, sagte ich. „Echt??“, fragte Jens baff. Ich nickte. „Tom? Was ist eigentlich los?“, fragte Bill. „Lange Geschichte.“, meinte ich. „Ich hab Zeit.“, meinte er. „Eigentlich hast du das nicht.“, meinte ich. „Wieso?“, fragte Bill. „Du hast das Fenster noch nicht fertig geputzt und die anderen Zimmer auf dieser Etage warten sicher auch noch.“, meinte ich. „Spinnst du?! Ich bin doch kein Zimmermädchen!“, meinte Bill schnippisch. Jens musste lachen. „Doch, bist du.“, meinte er dann. „Wo sind wir überhaupt?!“, fragte Bill. „In London.“ „Was machen wir denn in London?“, fragte er. „Also… Du hattest doch einen Unfall, weißt du nicht mehr?“ „Oh, doch… War das Gestern? Kommt mir so vor.“, meinte er nachdenklich. „Bill, das ist schon über ein Jahr her! Und die Ärzte hatten gesagt, du wärst tot!...“, meinte ich und erzählte ihm auch den ganzen Rest, den ich wusste. Er schien danach sehr nachdenklich. „Tom, du hast recht. Ich erinnere mich wieder an die Zeit in London… Aber… wie konnte ich nur eine Freundin haben?! Ich liebe doch dich und niemand anderen!“, meinte er dann leicht von sich selbst verwirrt. Ich zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht.“, meinte ich und er kuschelte sich an mich. „Tut mir Leid… Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist.“, sagte er und ich drückte ihm einen Kuss auf die Haare. „Schon ok.“, sagte ich und er lächelte wieder. „Was machen wir jetzt?“, fragte Bill. Gute Frage, was machten wir denn jetzt?

Kapitel 19: Deutschland, ich komme
Tom blieb noch 5 Tage in London. Ich hatte alles versucht, um mitzukommen, aber mein Chef konnte und wollte mich nicht gehen lassen. Erst vor 2 Wochen hatten 3 seiner Zimmermädchen gekündigt, weil sie schwanger geworden waren, geheiratet hatten oder umzogen. Noch einen weiteren Ausfall konnte er sich echt nicht leisten. Mit Amy war Schluss… Sie hat zwar geweint, aber sie hat es verstanden und ist ziemlich schnell drüber weg gekommen. Jetzt ist sie mit ihrem eigentlichen Schwarm zusammen. Ich bin froh, dass sie glücklich ist, sie ist eigentlich ja ein ganz nettes Mädchen. Anna und Mark waren richtig froh darüber, dass ich mich wieder erinnern konnte, aber sie waren auch traurig. Ich würde irgendwann weggehen, das hatte ich ihnen gesagt. Sie hatten das schon verstanden, aber vermissen würden sie mich trotzdem.

„BILL!“, schrie Jay und kam angerannt. „Yes, what’s up?“, fragte ich. „Bill! Our Boss has to talk to us! Come on!”, meinte er und zog mich hinter sich her zum Büro, des Chefs. Als wir bequem auf zwei Stühlen vor seinem Schreibtisch saßen, räusperte er sich kurz und stand dann auf. „Well, I have to tell you somethin’. The hotel doesn’t go well and the money flows away. We have nothing to pay you… The hotel will be closed in a few weeks. I just wanted to tell you that because then you can search for a new job.”, meinte er und lief zu seinem Aktenschrank. Er öffnete ihn und holte zwei Umschläge heraus. „This is the last money I can pay you. You worked very well and I never had a problem because of you. I hope you get along with this money for a while and don’t have problems in the future. I’m so sorry! If it only were two men to go I wouldn’t take you. But everyone has to go…” Ich nickte betreten und wir nahmen die Briefumschläge. Dann gingen wir. Ich verließ das Hotel und ging nach Hause. Anna war nicht da und Mark war sowieso arbeiten. Ich könnte abhauen… Nach Deutschland… Zu Tom… Ich glaube, das mach ich jetzt auch… Ich buchte mir einen Flug und packte meine Sachen. In einer halben Stunde wird mein Flugzeug starten. Hoffentlich wird es in Deutschland alles besser…

Nach dem Packen hatte ich eine Nachricht hinterlassen und ein Taxi gerufen. Dieses hatte mich dann zum Flughafen gebracht. Jetzt war das Flugzeug bereits im Landeanflug und kurz darauf stand ich dann vorm Flughafen und wartete auf ein Taxi. Als es kam, nannte ich die Adresse der Wohnung, in der Tom und ich gewohnt hatten und es fuhr mich dort hin. Als ich ausstieg bemerkte ich, dass das Haus sehr heruntergekommen aussah. Ich klingelte, aber keiner machte auf. Also klingelte ich bei der Wohnung gegenüber und eine Frau öffnete mir. „Bill?“, fragte sie verwundert. Ich nickte. „Oh ich hab dich vermisst!“, meinte sie und fiel mir um den Hals. Typisch Maya… „Maya, sag…Warum macht mir nebenan keiner auf?“, fragte ich. Sie stutzte. „Weißt du’s noch nicht?“, fragte sie. Ich schüttelte mit dem Kopf. „Was denn?“ „Tom ist mit dem Flugzeug abgestürzt, mit dem er von London zurückkommen sollte. Schon vor einigen Tagen. Die Wohnung steht leer.“, meinte sie. Ich glaube, ich bekam den Schock meines Lebens. Ich weiß auch nicht, was danach geschah, denn ich fiel abrupt in Ohnmacht. Als ich wieder zu mir kam, lag ich in meiner Wohnung auf dem Bett und Maya saß neben mir. „Oh endlich bist du wach!“, meinte sie und nahm mich fest in den Arm, als Tränen meine Wangen hinab liefen. „Er kann nicht tot sein. Das darf nicht sein! Ich habe ihn doch gerade erst wieder gefunden und er mich und mein Gedächtnis ist doch auch noch nicht so lange wieder da… Das darf einfach nicht! Ich liebe ihn doch!“, weinte ich und Maya drückte mich fester. „Wäre ich doch mit geflogen! Dann wäre ich jetzt auch tot!“, schniefte ich. „Nein, Bill.“, meinte Maya leise. „Aber dann wäre ich bei Tom im Himmel und nicht hier ohne ihn!“, schluchzte ich. Maya nickte leicht. „Da hast du schon recht… Aber er würde nicht wollen, wenn du dir jetzt noch etwas antust.“, flüsterte sie. „Er war meine große Liebe…“, wisperte ich. „Du wirst bestimmt jemand neues finden… Ich weiß, er ist nicht ersetzbar, aber trotzdem. Du wirst mit der Zeit das verarbeiten. Und Tom würde es auch schön finden, wenn du wieder glücklich bist.“ „Nein. Er will nur mit mir zusammen sein und sonst nichts! Das weiß ich ganz genau! Er sehnt sich nach mir und ich mich auch nach ihm! Ich will, dass er wieder da ist! ICH WILL, DASS ER JETZT SOFORT HIER VOR MIR STEHT!“, schrie ich. Maya wich erschrocken zurück. „Nein, Bill. Das geht nicht. Hör mir doch zu… Tom will nicht, dass du dich seinetwegen umbringst, klar? Lass es einfach…“, meinte sie und ging dann in die Küche.

Kapitel 20: das letzte Mal in meinem Leben
Mehrere Wochen sind vergangen und Maya hat mich nicht aus den Augen gelassen. Ich konnte nicht einmal an Selbstmord denken. Jetzt konnte ich mich aus der Wohnung stehlen, weil Maya schlief. Ich saß in einem Park auf einer Bank und dachte an Tom, wie so oft in den letzten Monaten, Wochen, Tagen, Stunden, Minuten, Sekunden… Wieso war er gegangen und hatte mich nicht mitgenommen? Wir wollten zusammen gehen… Das hatten wir uns geschworen und jetzt hatte er den Schwur gebrochen und mich hier alleine gelassen. „Tom, ich brauch dich doch, komm zurück.“, flüsterte ich und musste weinen. Plötzlich blieb jemand vor mir stehen. „Bill.“, sagte er mit einer rauen Stimme. Ich sah schnell auf und erblickte eine Gestalt in einem schwarzen Mantel. Sie hatte die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Diese Stimme kam mir irgendwie bekannt vor. „Bill… Du bist bald dran.“, sagte sie. „Was?“, keuchte ich. „Du bist bald dran!“ „Womit?“, fragte ich ängstlich. „Sterben…“, sagte die Gestalt und verschwand. Ich war geschockt und verwirrt. Schnell rannte ich nach Hause.

Einige Zeit war vergangen und ich hatte die dunkle Gestalt fast schon vergessen, als sie plötzlich vor der Dusche im Bad stand, als ich gerade duschte. Ich erschrak heftig und stieß einen spitzen Schrei aus. „Was machst du… eh machen sie… eh hier?“, fragte ich und wich bis zur Wand zurück. Die Gestalt kam näher. „Ich hole dich jetzt. Ich nehme dich mit.“, sagte sie, als sie direkt vor mir stand. Halt… Ich kenne diese Stimme wirklich! „Tom…?“, fragte ich erschrocken. Die Gestalt zuckte merklich zusammen. Sie war kurz abgelenkt und ich zog die Kapuze runter. Zum Vorschein kam tatsächlich Toms Gesicht. Es war sehr blass und seine Augen waren schwarz geschminkt und zwei Striche zogen sich über seine Wangen. Darunter waren jeweils zwei Punkte. Tom sah erschrocken zu mir und ich erschrocken zu ihm. „Tom… Was… bist du?“, fragte ich stotternd. „Ich bin der Tod.“, sagte er monoton. „D… Der Tod?“, fragte ich ängstlich. Er nickte nur. „Aber wieso? Wie kann… das sein?“, fragte ich und lief auf ihn zu. „Ich war es schon immer. Auch als ich „lebte“… Ich war sein Kind. Das Kind des Todes. Nun bin ich er selbst.“, sagte er. „Aber…“ „Du wärst Einzelkind gewesen.“, sagte Tom. „Nein! Nein! Nein! Niemals!“, schrie ich und rannte auf ihn zu und schlug mit meinen Fäusten auf seine Brust ein. „Ach Billi… Das bringt doch nichts.“, meinte er und lächelte leicht. „Warum hast du mich alleine gelassen, warum?!“, weinte ich und Tom zuckte merklich zurück. Ich stand vor ihm und senkte meine Arme. Sie hingen nun schlaff neben meinem Körper. Tom sah mich an. „Tom…. Warum? Ich… Ich liebe dich doch!“, weinte ich und fiel auf den Boden der Dusche. Tom kam wieder näher und kniete sich zu mir runter. „Ich liebe dich doch auch… Aber ich konnte nichts dagegen tun… Es tut mir doch Leid…“, wisperte er und nahm mich in den Arm. Als er sich wieder etwas entfernte, strich ich langsam mit meinem Finger über seine Lippen. Er lächelte mich leicht an und hob mich hoch. Er stellte die Dusche aus und trug mich dann ins Schlafzimmer. Dort legte er mich auf dem Bett ab und deckte mich zu. „Werde ich jetzt hier sterben?“, fragte ich leise. Er nickte leicht. Ich sah an die Decke und schluchzte leise. „Maya wird das nicht verstehen…“, flüsterte ich. Tom setzte sich zu mir auf das Bett und strich mir sanft über die Wange. Seine Hand war kalt. „Tom… Habe ich noch einen letzten Wunsch frei?“, fragte ich mit gebrochener Stimme. „Es kommt drauf an… Sofern er nicht unerfüllbar ist.“, meinte er. „Ich wünsche mir, dass du noch ein letztes Mal mit mir schläfst, bevor ich sterbe.“, flüsterte ich. Tom sah mich erst ein wenig erschrocken an. Dann nickte er leicht. „O… ok…“, sagte er leise. Ich lächelte ihn leicht an. Tom öffnete seinen schwarzen Mantel und streifte sich die Schuhe aus. Die Hose, die er unter dem Mantel trug, zog ich ihm sofort aus, als er auf dem Bett war. Meine Finger strichen durch Toms Haare und öffneten das Haarband. Ich ließ es neben das Bett auf den Boden fallen und seine Haare fielen ihm über die Schultern. Er strich mir langsam über die Wange und legte seine Lippen auf meinen Hals. Langsam küsste er weiter hinunter und neckte kurz meine Brustwarzen. Ich musste aufkeuchen. Tom ging weiter runter und versenkte seine Zunge mehrmals in meinem Bauchnabel. Wieder entlockte dies mir ein Keuchen. Dann leckte er mir über mein erregiertes Glied und ich musste aufstöhnen. „Ahhh… Tom!“, keuchte ich und drückte mein Becken ihm entgegen. Tom nahm jetzt mein Glied komplett in den Mund und bewegte seinen Mund auf und ab. Ich stöhnte auf und drückte meinen Rücken durch. Toms Zunge umspielte mein Glied feurig und trieb mich fast bis zum Höhepunkt. Kurz davor ließ er jedoch von mir ab und strich mir mit drei Fingern über die Lippen. Ich öffnete den Mund und die Finger stahlen sich hinein. Ich umspielte sie mit meiner Zunge eine Zeit lang, bis Tom sie mir wieder entzog. Ich bearbeitete jetzt seinen Hals und er ging mit seinen Fingern über meinen Rücken die Wirbelsäule entlang und dann drang er mit einem Finger in mich ein. Ich keuchte kurz vor Schmerz auf und spannte mich leicht an. Tom hauchte viele kleine Küsse auf meine Brust, um mich dazu zu bringen, mich zu entspannen. Bald drangen seine anderen zwei Finger ebenfalls in mich ein und begannen, mich zu weiten. Dann entzog er mir die Finger und ich grummelte leicht, doch Tom lächelte mich nur an und legte seine Lippen auf meine Wange. Dann drang er langsam in mich ein und wir stöhnten synchron auf. Nach und nach stieß er immer schneller und härter in mich. Wir stöhnten immer mehr und bald kamen wir dann zu unseren Höhepunkten, auch weil Tom mich mit der Hand bearbeitete. „Ich liebe dich…“, wisperte ich schwer atmend. Er lächelte mich an. „Ich dich auch.“, flüsterte er. „Nimm mir mein Leben…“, wisperte ich. Toms Lächeln erstarb und er sah mich ernst an. Dann nickte er leicht. „Es tut auch nicht weh…“, wisperte Tom und küsste mich sanft. Ich erwiderte seinen Kuss und nach und nach spürte ich das Leben aus mir schwinden, als ob Tom es aus mir heraus saugen würde. Dann wurde alles schwarz und ich entschwand in eine schwarze dunkle Welt.

Ende

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Brüder

1. Teil: Kapitel 1-10 ; Kapitel 11-20 ; Kapitel 21-30 ; Kapitel 31-40 ; Kapitel 41-43 (Ende)
2. Teil: Kapitel 1-10 ; Kapitel 11- Ende
3. Teil: Kapitel 1 ; Kapitel 2

Deep Inside

1. Teil: Kapitel 1- 8 (Ende)

Zusatz

FFs: Lebe die Sekunde ; Totgeliebt ; Instant Karma
Sonstiges: Gegen Fremdenfeindlichkeit ; Bill ; Tom
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